Variationen über das Kraepelin-Modell
Profil
Autoren: Davide Carnevali
Herren: 3
Übersetzer: Heymann, Sabine
Bereich: Sprechtheater
Genre: Schauspiel
Synopse: Eigentlich lässt sich die Geschichte von Davide Carnevalis Stück ganz einfach zusammenfassen: Ein demenzkranker Mann verliert sein Gedächtnis, sein Sohn pflegt ihn und ein Arzt gibt dem Sohn Ratschläge für den Umgang mit dem Kranken. Die Dialoge zwischen Vater und Sohn sind berührend und zugleich sehr komisch; einfühlsam lauscht der Autor seinen Figuren die innere Logik der Erkrankung ab. Aber gleichzeitig geht Carnevali weit über die naturalistische Darstellung eines Einzelfalls hinaus. Er befragt nicht nur die Bedeutung der individuellen Erinnerung für die Identität des Einzelnen, sondern auch die Rolle des kulturellen Gedächtnisses für unsere sinnvolle Interpretation von Welt. Was befindet sich auf unserem Teller, wenn das Rezept für Kaninchenschmorbraten nicht mehr existiert? Wie stellt sich die Realität dar, wenn der zweite Weltkrieg nie beendet wurde? Sehr geschickt überträgt der Autor außerdem inhaltliche Aspekte auf die formale Gestaltung des Textes. So scheinen sich weiße Flecken im Handlungsverlauf auszubreiten und die Sichtweise des Kranken wird manchmal zur verstörenden Realität.

