Ich mach ja doch, was ich will
Profil
Autoren: Doug Wright
Herren: 1
Übersetzer: Heibert, Frank
Bereich: Sprechtheater
Genre: Monolog, Schauspiel
Synopse: Die bemerkenswerte Lebensgeschichte der Charlotte von Mahlsdorf (bürgerlicher Name: Lothar Berfelde) wird in diesem Stück aufgeblättert: von der Jugend im Dritten Reich, vom Konflikt mit einem repressiven Vater, vom Wiederaufbau eines alten Herrenhauses (dem berühmten Gründerzeitmuseum) unter dem sozialistischen Regime in Ostberlin bis zum Medienruhm im wiedervereinigten Deutschland und der Frage, ob Charlotte von Mahlsdorf als Stasi-Spitzel tätig war. Eigentlich ist es unglaublich, dass sie als Transvestit, als homosexueller Mann das Nazireich überlebte und der grauen DDR etwas Glanz verlieh, indem sie in Eigenregie eine Gründerzeitsammlung von Weltrang zusammentrug. Die zahlreichen Hürden in ihrem Leben meisterte sie mit der ihr eigenen Mischung aus Chuzpe, mutiger Bestimmtheit, liebenswürdigem Charme, und damenhafter Höflichkeit und wurde zu einer der schillerndsten Figuren der deutsch-deutschen Geschichte. Der amerikanische Autor Doug Wright, der Charlotte von Mahlsdorf seit Anfang der 90er Jahre kannte und zahlreiche Interviews mit ihr führte, hat ein Theaterstück geschrieben, das von seiner ganz persönlichen Faszination an der Privatperson und an den historischen Implikationen ihres Lebenswegs ausgeht. Alle Figuren werden von einem Darsteller gespielt, so dass ein biographischer Reigen entsteht, in dem immer Charlotte das funkelnde Zentrum bildet. Der ebenso einfache wie wirkungsvolle und geniale Kunstgriff Doug Wrights besteht darin, sich selbst als Figur in dem Stück auftreten zu lassen. Dadurch wird nicht die Rolle der Hauptfigur vermindert, sondern es entsteht ein bühnenwirksames Spannungsfeld zwischen dem Biograph und seinem "Objekt". Die Probleme des biographischen Schreibens überhaupt werden thematisiert und es wird ganz deutlich, was am Ende des Stückes über diese so schillernde und unfassbare Persönlichkeit notwendig stehen muss: Wer Charlotte von Mahlsdorf wirklich war, das kann kein Biograph letztgültig beantworten. Das Stück gewann neben vielen anderen Auszeichnungen den Pulitzer Prize for Drama und den Tony Award for Best Play und wurde in der immens erfolgreichen New Yorker Produktion bereits international gezeigt. In Deutschland wird das Stück am Berliner Renaissance-Theater mit Dominique Horwitz als Darsteller erstaufgeführt.

