Theater

Die Demjanjuk Prozesse

Profil

Autoren: Jonathan Garfinkel 

Damen:

Herren:

Übersetzer: Heibert, Frank 

Aufführungsgeschichte: DSE: Theater der Stadt Heidelberg, 31.3.2010 

Bereich: Sprechtheater 

Genre: mit Musik, Schauspiel 

Synopse: Der Rollstuhl, die himmelblaue Decke, die Sonnenbrille. Dieses Bild von John Demjanjuk beim Prozessauftakt in München im November 2009 ist um die ganze Welt gegangen. Demjanjuk ist angeklagt, im Jahr 1943 als Wachmann im Vernichtungslager Sobibór Beihilfe zum Mord an 27.900 Juden geleistet zu haben. Demjanjuk bestreitet, in Sobibór gewesen zu sein. Der jüdisch-kanadische Bühnenautor Jonathan Garfinkel setzt sich seit vielen Jahren mit dem Schicksal des heute 90jährigen Ukrainers auseinander: Ende der 70er Jahre identifizieren Überlebende des Holocaust den in Cleveland, Ohio lebenden Familienvater als "Iwan den Schrecklichen" aus Treblinka. 80er Jahre: Prozess in Israel, Todesurteil. 90er Jahre: Das Oberste Gericht Israels spricht den gebürtigen Ukrainer wegen "begründeter Zweifel" an seiner Identität frei. 2008: Neue Nachforschungen. 2009: Auslieferung nach Deutschland. Für die deutschsprachige Erstaufführung erweitert Garfinkel DIE DEMJANJUK PROZESSE um neue, den Prozess in München kommentierende Szenen. Den schrecklichen Schicksalen, die sich hinter den Opferzahlen verbergen und der Frage nach Demjanjuks Schuld begegnet Garfinkel in seinem Theaterstück mit theatralischen Mitteln, die einem deutschen Publikum bei diesem Thema neu sind: Verständnis auch für die Täter, bissige Songs im Brechtschen Stil, Gerichtssatire und groteske Kalauer in einem tiefschwarzen Holocaust-Cabaret. »Jungen Menschen«, so Martin Oversohl für die dpa, gibt diese Herangehensweise »die Möglichkeit, sich intensiv mit den Nazi-Verbrechen und der Vergangenheitsbewältigung auseinanderzusetzen, ohne Kitsch, ohne Vorurteile, ohne Betroffenheitsrituale.«